Tromsø gilt als Tor zur Arktis. Wenn man googelt nach den
besten Orten, um die Nordlichter zu sehen, wird früher oder später immer Tromsø
genannt. Hier sollte es also passieren, unser nächstes Aurora-Abenteuer,
nachdem wir zwei Winter vorher doch so viel Glück in Finnland gehabt hatten.
Vor inzwischen knapp 8 Jahren war ich fasziniert vom Polartag, der Jahreszeit, die im Norden sechs Monate anhält und wo die Sonne nie so richtig untergeht und es nie so richtig dunkel wird. Es wurde also Zeit, auch mal die andere Seite der Medaille anzuschauen. Das ist die sogenannte Polarnacht, wo die Sonne eben nie so richtig aufgeht. Je nach dem, wo genau man sich aufhält, ist die Polarnacht länger oder kürzer: direkt am Polarkreis dauert sie nur einen Tag, an den Polen fast sechs Monate.
Mit entspannt rumsitzen und Hamburg genießen war es kaum was
dieses Jahr – dauernd war ich unterwegs und plötzlich ist das Jahr vorbei! Ab
Sommer war ich permanent auf Achse: auf Fehmarn, in NRW und auf Sylt für coole
Tee-Events, nebenbei in Torino, Berlin und Stockholm für Messen, im Dezember
wollten eine fancy Weihnachtsfeier und ein Meeting für 100 Personen organisiert
werden.
Zurück in Tashkent blieb uns nur noch eine halbe Nacht bis
zu unserem Rückflug nach Europa. Aber da der kurze Flug von Urgench so fix
ging, bleib trotzdem Zeit für eine Stadtführung mit Laziz. Als Hauptstadt ist Tashkent
ganz nett, auch wenn es natürlich bei weitem nicht an die alten Großstädte
entlang der Seidenstraße rankommen kann.
Khiva war der letzte Stopp für uns bevor es zurück nach
Tashkent ging. Schreibweisen sind irgendwie fließend in Usbekistan durch die
vielen verschiedenen Sprachen, die gesprochen werden oder die Einfluss auf das
Land hatten. Weil auf Kyrillisch der erste Buchstabe X ist, schreibt man es manchmal
auch mit X oder europäisiert mit Ch oder mit H wenn man das Arabische transkribiert.
Gesprochen wird es immer gleich, wie ein Ch ganz weit hinten im Rachen (so wie
das Ch im deutschen Wort „Rachen“ by the way).
Mal wieder war ich in einer Altstadt, die als
UNESCO-Welterbe unter Schutz steht. Bukhara (oder usbekisch Buxoro geschrieben)
ist eine der größten Städte des Landes und darf auf keiner Rundreise fehlen.
Wir dachten, wir hätten in Samarkand schon alles gesehen, was die Verzierung
mit blauen Fliesen zu bieten hat – aber Bukhara hat nochmal ganz neue Eindrücke
bereitgehalten, vor allem weil die Altstadt so schön autofrei ist.
Wir haben zwar nicht ganze Länder und Regionen erobert und
daraus ein riesiges Reich zwischen Chinas Ostküste und der heutigen Türkei
gegründet. Aber wenigstens sind wir dort gewandelt, wo Dschingis Khan auch schon
war auf seinen Feldzügen. Vor nicht ganz 800 Jahren war das und obwohl sich
seither ziemlich viel verändert hat, kann man es doch noch irgendwie erahnen,
wie es hier früher zugegangen sein mag.
Tashkent war
nur Ort der Ankunft und Abreise für uns, wenigstens ein bisschen was konnten
wir zwar sehen, aber wenn man weiß, was da noch so auf einen wartet, will man
irgendwie auch recht schnell weg, weil die ehemaligen Hauptstädte Samarkand und
Bukhara einfach so viel beeindruckender sind.
Zentralasien
war das Ziel unserer Reise, wobei mir das bis vor ein paar Jahren eigentlich
gar nicht wirklich etwas gesagt hat. Ist das nun der Nahe Osten oder doch eher
die Mongolei? Ist es da kalt oder warm? Was sprechen die denn da? Und
überhaupt: welches Land ist das denn? Stellt sich raus, es sind ganz viele
Länder und sie hören alle auf -stan auf. Eins davon hatten wir uns ausgesucht
und so ging es von Istanbul aus in viereinhalb Stunden nach Taschkent.
Nach erfolgreich bestandener Probezeit war es Zeit für eine
Belohnungs-Reise. Nicht, dass ich nicht geschäftlich schon viel unterwegs bin,
aber Urlaub ist halt doch nochmal was anderes. Ich packte also meine Freundin
Julia ein und Ende April ging es los gen Osten. Weil die meisten Flüge von
Europa aus Richtung Zentralasien von Turkish Airlines geflogen werden, planten
wir zwei extra Tage in Istanbul ein – Mini-Urlaub auf dem Weg in den richtigen
Urlaub sozusagen. Man nimmt schließlich mit, was man kriegen kann.
Jetzt bin ich schon so oft geflogen, habe so viele Flugzeuge
und Flughäfen von innen gesehen, so viele Bordkarten von so vielen Menschen in
verschiedenen Uniformen abreißen lassen – und trotzdem passiert ab und an doch
noch mal was aufregendes auf einer Flugreise.
So wirklich entspannt ging unser Entspannungs-Urlaub auf Sansibar ja nun nicht los. Wir hatten zwar eine Charge Klamotten zum Wechseln im Handgepäck, wie sich das auf langen Reisen gehört. Aber Badeanzug, Badeschuhe, Taucherbrille und alltägliche Dinge wie die Haarbürste fehlten. Da wir noch davon ausgingen, dass alles Gepäck seinen Weg zu uns finden würde, gingen wir erstmal nicht für Ersatz shoppen.